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Malteser Rettungsdienst

"Unsere Mitarbeiter sind unser größtes Plus"

Markus Bensmann ist seit 2010 auf Bundesebene für den Malteser Rettungsdienst verantwortlich. Für ihn steht fest: "Im Rettungsdienst brauchen wir starke Typen. Und Männer und Frauen, die diesen anspruchsvollen Beruf ausüben, brauchen einen Arbeitgeber, der für sie die besten Bedingungen schafft."

Der „Kampf um die besten Köpfe“ hat mittlerweile auch den Rettungsdienst erreicht: Was spricht für die Malteser als Arbeitgeber? 

Allen, die zu uns kommen, und allen, die bereits bei uns sind, bieten wir mehr als nur einen Job. Sie können bei uns ihren Wunschberuf zu attraktiven Bedingungen und eingebettet in eine Idee, eine Tradition und eine Dienstgemeinschaft ausüben. Das christliche Menschenbild prägt unser Tun, das zeigt sich in der Art, wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen bis hin zur Frage eines gerechten Lohns. Jüngsten Vergleichen zufolge bieten die Malteser alles in allem einen der attraktivsten Tarife in Deutschland. Die Malteser sind am Markt sehr stark und seit vielen Jahren präsent. Darum finden unsere Mitarbeiter bei uns eine langfristige Perspektive für ihre Lebensplanung und sehr gute Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten an eigenen Rettungsschulen sowie einer eigenen Akademie zur Ausbildung von Führungskräften und mit Angeboten, die über rettungsfachliche Aspekte sich auch auf die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter beziehen. Das Gesamtpaket spricht für uns.

Die Malteser fahren fast überall in Deutschland Rettungseinsätze und Krankentransporte. Je nach Region gibt es doch noch erhebliche Unterschiede im Arbeitsalltag. Wie kommt das?

Es gibt 16 Rettungsdienstgesetze auf Länderebene und nachgeordnet in Städten und Gemeinden noch viel mehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Rettungsdienst zu erbringen ist. Die Unterschiede zeigen sich gerade wieder bei der Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes. Als Dienstleister haben wir Malteser uns erfolgreich auf die föderalen Strukturen eingestellt – mit mehr als 220 Rettungsstandorten in ganz Deutschland. Dabei vereinheitlichen wir, wo es Sinn hat. Mit unserem bundesweit einheitlichen Qualitätsmanagement setzen wir überall dort, wo wir die Freiheit haben und den Bedarf erkennen, einheitliche Standards. Unser Vorteil ist, dass die Malteser – anders als andere Anbieter – rechtlich eine einzige Organisation sind. Wir haben also Managementstrukturen, über die wir gut führen und etwas bewegen können. Wenn wir Rettungsmittel anders gestalten müssen oder andere Dienstbekleidung tragen können, dann geht das immer über meinen Schreibtisch – damit überall dort, wo Malteser drauf steht auch Malteser drin ist.

Qualitätsmanagement kennen viele in erster Linie als eine Zusatzarbeit…

Es ist eine althergebrachte Vorstellung, dass Qualität viel Arbeit macht. Bei den Maltesern sind wir über diesen Punkt längst hinaus. Qualitätsmanagement ist heute nichts anderes als die Art und Weise, wie wir unseren Rettungsdienst betreiben. Da gibt es keinen Zusatzaufwand mehr, im Gegenteil: Weil wir alles gut geregelt haben, ist es tatsächlich einfacher, den Dienst durchzuführen. Wie praktisch das ist, werden sicher die allermeisten Kolleginnen und Kollegen bestätigen. Wer Mitarbeitende von Traunstein nach Flensburg wechseln möchte, finden sie sich dort sofort zurecht, weil dort genau dieselben Rahmenbedingungen herrschen: dasselbe Fahrtenbuch, dasselbe Wachbuch und ähnliche Einsatzprotokolle.

Das Rettungswesen unterliegt zunehmend Marktkriterien. Wo bleiben die Malteser im Wettbewerb mit privaten Anbietern? 

In den letzten Jahren haben wir uns bei Ausschreibungen und Vergaben bestens behauptet. Mit den Maltesern wird auch künftig ganz sicher zu rechnen sein. Problematisch an der Entwicklung ist etwas anderes: Der Rettungsdienst ist nicht irgendeine Dienstleistung, sondern ist ein Segment innerhalb eines einheitlichen Systems der Gefahrenabwehr in Deutschland, das alle Notfälle von alltäglichen Situationen bis hin zu besonderen Not- und Katastrophenlagen umfasst. Wir bilden im Rettungsdienst also die Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und dem Bevölkerungsschutz, der stark von einem - gleichwohl sehr qualifizierten - ehrenamtlichen Engagement getragen wird. Als Hilfsorganisation mit starker ehrenamtlicher Basis, die hervorgegangen ist aus dem ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz und der Breitenausbildung in Erster Hilfe, sind die Malteser prädestiniert, diese Schnittstelle zu besetzen. Dieser besonderen Kompetenz werden Ausschreibungen im Rettungsdienst, in denen letztlich das günstigste Angebot zum Zuge kommt, nicht gerecht. Stattdessen wird der Transfer von Leistungen und Knowhow, den wir für eine effiziente Notfallvorsorge gesellschaftlich weiter für notwendig halten, gefährdet.

Der neue Notfallsanitäter verändert das Berufsbild des Retters. Wird jetzt alles besser?

Wir begrüßen es, dass wir jetzt die dreijährige Ausbildung haben und mit anderen Gesundheitsberufen gleichziehen. Das wertet den Rettungsdienst auf, was lange schon anstand. Wichtig ist, dass es die Umstiegsmöglichkeit für unsere bisherigen Rettungsassistenten gibt. Ernste Bedenken haben wir, ob wir es schaffen werden, alle Mitarbeiter, die weiterqualifiziert werden sollen, tatsächlich in allen Bundesländern in der gesetzten Frist auch weiterqualifizieren zu können. Bekanntlich ist es ja bereits zu merklichen Verzögerungen bei der Übernahme in einzelne Landesgesetze gekommen. 

Hinzu kommt: Das neue Gesetz ist zunächst eine Ausbildungsvorschrift und regelt nicht den Einsatz der Rettungskräfte. Durch die höherwertige Ausbildung haben wir fachlich mehr Möglichkeiten; ob wir aber auch rechtlich mehr Kompetenzen für den Notfallsanitäter bekommen, muss sich erst noch zeigen. Das hat Konsequenzen: Zum Beispiel bei der Frage, inwieweit Telemedizin und Ärztemangel künftig das Aufgabenspektrum der Retter verändern. Derzeit ist die Telemedizin auf wenige Pilotprojekte begrenzt, vor allem weil die rechtlichen Fragen, was der Retter darf und was dem Arzt vorbehalten bleibt, ungeklärt sind. Die Malteser stehen als Partner für Pilotprojekte bereit, um gemeinsam mit den Trägern des Rettungsdienstes und wissenschaftlichen Instituten zu erproben, wie die Zukunft aussehen kann. Da haben wir schon viel Erfahrung.

Die Malteser stehen auch für das Ehrenamt und haben noch sehr viele Ehrenamtliche als Aktive im Rettungsdienst. Ist das noch zeitgemäß?

Ja. Wir sehen sogar die Notwendigkeit, dass der ganze Rettungsdienst in Deutschland so aufgestellt werden muss, dass Ehrenamtliche dort tätig bleiben können, um den Schulterschluss zwischen Rettungsdienst und dem breiten Bevölkerungsschutz im oben bereits erwähnten einheitlichen System der Gefahrenabwehr zu schaffen. Sicherlich wird im hochqualifizierten Berufsbild des Notfallsanitäters der Ehrenamtliche zukünftig nicht mehr zu finden sein. Wir werden aber alles dafür tun, dass beim zweiten Mitarbeiter auf dem Wagen, also dem Rettungssanitäter, sowohl die Ausbildung als auch der Dienst für Ehrenamtliche weiterhin zu leisten ist. 

Die Malteser legen Wert auf ihre lange Tradition der Hilfe aus christlichem Antrieb heraus. Muss ein guter Rettungsdienst katholisch sein? 

Nein, das muss er nicht, aber es ist schon sehr hilfreich, wenn er es ist! Es stärkt die Möglichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Belastungen des Dienstes zu bewältigen. Weil wir Malteser somit ein gesundes Fundament haben und unser Tun begründen können. Im Rettungsdienst haben wir viele passende Werkzeuge, um zu helfen. Bei den Maltesern ist der Glaube, neben viel fachlichem Wissen und Handwerk, eines der passenden Werkzeuge, um zu helfen. Gerade angesichts der zunehmenden Professionalisierung sehe ich durchaus die Gefahr, dass es im Rettungsdienst immer technischer zugeht. Messen, professionell ausführen – das alles ist notwendig und das alles ist richtig. Unserem eigenen Nachwuchs vermitteln wir aber auch, dass es auf die Zuwendung für jeden Einzelnen zu jeder Zeit ankommt, gerade in Notfall- und Extremsituationen. Dafür gibt es kein Patentrezept – nicht einmal wir Malteser haben dafür bislang einen passenden Algorithmus gefunden! Es geht vielmehr um eine Haltung und um Achtsamkeit: Beides vermitteln wir bereits in der Ausbildung und beides ist auch Maßstab im Umgang mit unseren Mitarbeitern. Genau das besagt unser Leitsatz „…weil Nähe zählt.“

Wo sehen Sie den Malteser Rettungsdienst in fünf Jahren? Welche Themen möchten Sie in naher Zukunft gerne umsetzen? 

Erstens: In fünf Jahren möchte ich unsere derzeitigen Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern weiterqualifiziert haben, zumindest diejenigen, die das möchten. In manchen Bundesländern wird es länger dauern, aber wir wollen für möglichst viele Mitarbeiter zügig eine sichere Perspektive schaffen.

Zweitens möchte ich in fünf Jahren als fürsorgliche Unterstützung für unsere Mitarbeiter ein wirklich gut funktionierendes Gesundheitsmanagement etabliert haben – mit allen wesentlichen Bausteinen, bewertet und im Alltag bewährt. Arbeiten im Rettungsdienst geht schon mit speziellen Bedingungen einher: Schichtdienst, Außeneinsätze bei teils widrigen Umständen, die auch psychisch fordern und ein hohes Maß an Eigenständigkeit verlangen, vor allem dann, wenn der Notarzt nicht oder spät kommt. Als Arbeitgeber wollen wir unsere Rettungskräfte passend unterstützen, damit sie mit diesen Bedingungen gut zurecht kommen.

Drittens möchten wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit Demenzkranken schulen. Das ist ein Anliegen, das gesellschaftlich immer mehr drängt und das den Maltesern über alle Leistungsbereiche hinweg am Herzen liegt. 

Schließlich sind wir gefragt, Risiken durch Prävention zu minimieren: einerseits bei der Prävention sexualisierter Gewalt, andererseits in der Vorbeugung und Deeskalation bei Übergriffen gegen Rettungskräfte im Einsatz. Das Thema „Gewalt gegen Retter“ haben wir als einer der Ersten thematisiert und in Studien mit der Ruhruniversität Bochum untersucht. Wir werden in Kürze ein IT-gestütztes System zur Erfassung für solche Vorfälle einsetzen und haben ein gutes Curriculum entwickelt, das wir flächendeckend schulen wollen, um auch wirklich alle Mitarbeiter so gut vorbereiten, wie wir es für nötig erachten. Das alles kann man nicht alles gleichzeitig machen – als Verband nicht und auch der einzelne Mitarbeiter nicht – insofern haben wir hier einen längeren Atem.

Letze Frage: Ihren Mitarbeitern wollen Sie immer schon mal sagen …?

Dass ich ihnen Respekt und Dankbarkeit zolle, für das, was Sie für die Menschen tun. Das geht im Alltag allzu schnell unter. Dass ich viel von ihnen lerne, sei es in der Mitarbeiterbefragung oder über Verbesserungsvorschläge, auch die sind ja Teil unseres Qualitätsmanagements, zum Beispiel wenn ich einmal im Jahr unsere über 200 Auditoren fortbilde, die mir von Problemen und Lösungen berichten. Schließlich: dass ich es sehr bedauere, dass es immer wieder mal vorkommt, dass jemand frustriert nach Hause geht, obwohl alle in der ganz überwiegenden Mehrzahl einen hervorragenden Job machen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser größtes Plus.“

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