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Malteser Rettungsdienst

Prävention: Psychosoziale Notfallvorsorge und Deeskalation bei Übergriffen

In Notfallsituationen oder Unglücksfällen reichen medizinische und technische Hilfeleistungen allein oft nicht aus. Die Malteser stellen qualifizierte Hilfen bereit, um das Erlebte zu verarbeiten. „Das Personal von Feuerwehr und Rettungsdienst ist häufig überfordert, wenn es vor Ort psychologische Unterstützung geben soll. Dafür fehlen schlicht die Zeit und die Ausbildung“, so Johannes Meyer, Referent für Psychosoziale Notfallvorsorge der Malteser im Oldenburger Münsterland.

Auch Rettungskräfte werden bei Bedarf nach besonders belastenden Einsätzen unterstützt. In über 20 Einsatznachsorge-Teams stehen „CISM-Peers“ bereit, die nach Vorgaben der International Critical Incident Stress Foundation (ICISF) geschult sind. Als Teamleiter sind Theologen, Psychologen, Sozialpädagogen oder Ärzten tätig.

CISM-Teams helfen am Einsatzort, bieten Einzel- und Gruppeninterventionen oder vermitteln in kürzester Zeit eine therapeutische Behandlung. Die Hilfe kann jeder Malteser Mitarbeiter auch direkt über eine bundesweite PNSV-Hotline anfordern. „Hier fließen Fachwissen und spezielle psychosoziale Kompetenzen vor dem Hintergrund unseres christlichen Selbstverständnisses zusammen“, so Johannes Meyer. „Diese Fürsorge für die Kollegen ist für mich typisch Malteser.“

Die Psychosoziale Notfallversorgung versteht sich als umfassende präventive Hilfe. An immer mehr Malteser Rettungswachen stehen Ansprechpartner zur Verfügung, die bei Stress, Burnout oder anderen psychosozialen Problemen gezielt helfen. Als Vertrauensperson suchen Sie mit dem Betroffenen nach Lösungsmöglichkeiten oder vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützung.

Auch ein Thema für Prävention: Rettungskräfte werden bei ihren Einsätzen immer häufiger behindert oder bedroht. 9 von 10 Rettern haben bereits Beleidigungen oder Beschimpfungen erlebt. 60 Prozent waren schon einmal einem Angriff ausgesetzt. Auch sind Übergriffe in Großstädten häufiger als auf dem Land. Das sind die Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Ruhr-Universität Bochum, die die Malteser 2012 in Auftrag gegeben haben.

Die Malteser haben ein eigenes Schulungskonzept entwickelt, um Mitarbeiter besser auf Gefahren vorzubereiten und das Arbeitsfeld wieder sicherer zu machen. In Deeskalationstrainings lernen die Teilnehmer von erfahrenen Ausbildern, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und Konflikte zu entschärfen, ehe es handgreiflich wird. Dazu gehört, mögliche Gefahren schon vor dem Einsatz einschätzen zu können und gezielt auf die Anwesenden einzuwirken.

Wenige Basistechniken helfen, um tätlichen Angriffen auszuweichen oder sich aus einer eskalierten Situation zu befreien. Diese werden auch trainiert. Besser aber ist es, einer körperlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. „In Rollenspielen haben wir gemerkt, wie wenig Schutzwesten oder Pfeffersprays nutzen, wenn die Situation kippt“, sagt Ernst Schütz, Leiter der Malteser Rettungswache Rosenheim. „Auch wenn wir hoffentlich nichts von dem brauchen werden: Im Fall der Fälle sind wir jetzt gut vorbereitet.“

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