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Malteser Rettungsdienst

"Als Praxisanleiter ist man mehr Coach als reiner Wissensvermittler."

Dirk Maurer leitet die Lehrrettungswache der Malteser in Bad Kreuznach. Seit 2010 bereits bildet er dort angehende Rettungskräfte aus. Hier erklärt er, warum er sich jetzt zum Praxisanleiter nach dem neuen Notfallsanitätergesetz weitergebildet hat und was sich dadurch ändert.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit als Praxisanleiter besonders?

Als Praxisanleiter habe ich viel Umgang mit jungen Menschen, die sich für ein äußerst vielseitiges und komplexes Berufsbild interessieren.  Ich bin als Zivildienstleistender zu den Maltesern gekommen. Der Rettungsdienst war eine willkommene Abwechslung zur Schule und hat mich vom ersten Tag an gefesselt. Die Arbeit mit Auszubildenden trägt enorm dazu bei, die eigene Betriebsblindheit in Schach zu halten und verhindert, dass ich selbst einroste. 

Heute ist es schön zu sehen, wie der Nachwuchs mit der Zeit hinzulernt,  eigene Wege geht und immer handlungsfähiger wird, um so für den Berufsalltag gewappnet zu sein. Natürlich ist auch hier ist das Teamwork mit tollen Kolleginnen und Kollegen ein Grund, dass ich immer wieder gerne zur Arbeit gehe.

Welche Ausbildung haben Sie als Praxisanleiter absolviert?

Die Weiterbildung zum Praxisanleiter habe ich in dem Bildungszentrum der Malteser Wetzlar (Standort Frankenthal) absolviert. Die Kosten der Weiterbildung haben die Malteser übernommen. Die insgesamt 80 Unterrichtseinheiten sind in zwei Aufbaumodule unterteilt. Inhaltlich geht es verstärkt um pädagogische Inhalte und Themen aus Soziologie und Psychologie. Gut finde ich, dass erstmals auch Stressbewältigung und Vermeidungsstrategien vorkommen.  So wird man als Praxisanleiter viel mehr zum Berater und Coach als zum bloßen Wissensvermittler.

Sie waren Lehrrettungsassistent und sind jetzt Praxisanleiter. Was hat sich geändert?

Die Unterschiede sind fein, aber bedeutsam. Beim Praxisanleiter geht es weniger um die eindimensionale  Vermittlung von Fachinhalten als um eine ganzheitliche Ausbildung in gezielten Lernsituationen, die wiederum Bestandteil eines übergeordneten Lernfeldes sind. Immer noch geht es darum, die Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten, damit sie handlungsfähig und entscheidungsfähig sind. Neu ist, dass dieses Ausbildungsziel erstmals  präziser formuliert ist. „Ganzheitlich handlungsfähig“ sein bedeutet Fachwissen, Methodenkenntnis und soziale Kompetenzen zu haben. Als Praxisanleiter müssen Sie jetzt also die Lernsituation auch so gestalten, dass all diese Bereiche angesprochen werden. Das gilt dann auch für die Prüfungssituation, denn schließlich bin ich auch der Fachprüfer.

Sie sind ja auch Wachleiter in Bad Kreuznach. Bleibt da noch Zeit für den praktischen Einsatz? 

Aber sicher! Die Arbeit auf dem Einsatzfahrzeug macht weiterhin den Löwenanteil meiner Tätigkeit aus. Die Betreuung der Auszubildenden findet  bei oder zwischen den Einsätzen statt.  Ob dies künftig in der Ausbildung von Notfallsanitätern noch so funktioniert, wird sich zeigen.  Auf jeden Fall werden die Anforderungen durch die enge Verzahnung der Schule und der Lehrrettungswache steigen, um den Katalog von praktischen Ausbildungszielen auch in gut geplanten, ganzheitlichen Lernsituationen vermitteln zu können. Es bleibt also spannend!

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