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Malteser Rettungsdienst

"Beistand in schwierigen Situation - das ist für mich typisch Malteser"

Johannes Meyer ist Notfallsanitäter an der Rettungswache Lohne und ist als Diözesanreferent für Psychosoziale Notfallvorsorge im Offizialatsbezirk Oldenburg für die Koordination mehrerer Malteser Teams zur Krisenintervention und Einsatznachsorge zuständig.

Was ist Ihre Aufgabe?

Meine Aufgabe ist es, die Teams in der Psychosozialen Notfallvorsorge der Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg mit aufzubauen und bei ihrer Arbeit zu begleiten. Aktuell bin ich Ansprechpartner für vier Kriseninterventionsteams und unser Einsatznachsorgeteam. Und weil unsere Arbeit sich eben präventiv versteht, betreue ich auch die drei Sozialen Ansprechpartner und Mediatoren, die dazu da sind, die Kolleginnen und Kollegen in den Rettungswachen bei persönlichen Problemen aufzufangen und zu unterstützen.

Welche Unterstützung geben Sie den Teams?

Wir sind bei den Maltesern – das heißt: was wir anfangen, machen wir richtig; also gibt es Standards, bei deren Umsetzung ich berate, aber auch Fragestellungen und Projekte, die ich fachlich unterstütze. Ich leite selbst ehrenamtlich ein Kriseninterventionsteam und kenne also die Arbeit und Anforderungen gut. Ich fahre bei Bedarf selbst zum Einsatzort raus, kümmere mich aber vor allem auch nach den Einsätzen um die Aufarbeitung und prüfe, ob die angebotenen Hilfen auch wahrgenommen wurden.

Und über die Teamebene hinaus?

Ich stehe im regelmäßigen Austausch mit dem Leitungsteam der Psychosozialen Notfallvorsorge auf Bundesebene. Als Malteser reden wir beim Thema Krisenintervention und Prävention an vielen Stellen mit. Ich bin Vertreter in verschiedenen Arbeitsgruppen und Gremien auf Bundesebene, im Land und in der Region, halte Vorträge und mache Netzwerkarbeit, zum Beispiel im Niedersächsischen Landesausschuss PSNV. Auch das Fundraising wird immer wichtiger. Unsere Hilfe können wir ja nicht abrechnen. Also brauchen wir Sponsoren, Spender und Partner – und die Öffentlichkeit!

Nach innen berate ich die Geschäftsführung und die Rettungsdienstleitung, zum Beispiel bei der Frage, wie hoch der Bedarf an präventiven PSNV-Maßnahmen in den Einsatzdiensten ist. Inhaltliche Highlights sind die großen PSNV-Fachtagungen, die die Malteser zum Beispiel zum „Plötzlichen Säuglingstod“ oder „Suizid“ ausrichten. Außerdem schule ich unsere Kolleginnen und Kollegen und nehme als Beisitzer Prüfungen ab.

Das klingt nach viel Arbeit. Gibt es denn auch Ressourcen?

Insgesamt kommen im Bereich PSNV rund 400 Arbeitsstunden zusammen. Eine richtige Stelle ist meine Tätigkeit noch nicht. Aber weil den Maltesern das Thema so wichtig ist, gibt es eine gewisse zeitliche Entlastung in meinem ganz normalen Schichtdienst als Notfallsanitäter, die wir individuell vereinbart haben.

Und welche Ausbildung braucht man für diese Tätigkeit?

Ich habe 1995 als Mediator angefangen, habe dann die Ausbildungen im Critical Incident Stress Management (CISM und CISM Advanced) sowie in der Krisenintervention absolviert. Hinzu kommen Fortbildungen in Stressbewältigung, Trauerbegleitung, Psychotraumatologie, Kommunikation sowie Führen in Großschadenslagen – die meisten an den Malteser Schulen, aber auch an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ).

Welcher Einsatz ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das ICE-Unglück bei Eschede 1998, der Amoklauf an der Erfurter Schule 2002 und die Love Parade 2010 in Duisburg. Gerade bei solchen Fällen zeigt sich, wie groß der Bedarf nach Hilfe ist und wie viel sie tatsächlich bewirken kann – zum Beispiel, wenn Kolleginnen und Kollegen auch nach solch stark belastenden Erfahrungen fast alle weiter Einsätze fahren wollen und können.

Mich motivieren aber auch die vielen Erfahrungen im Alltag: Wenn im Nachruf in der Zeitung zu lesen ist: „Vielen Dank für die Betreuung in unserer größten Not durch das Malteser Kriseninterventionsteam“. Wenn unsere Ehrenamtlichen ihre Aufgabe selbst als wohltuend und bereichernd erfahren. Wenn sich das Team am Ende eines Einsatzes mit alle den Höhen und Tiefen, die man gemeinsam meistert, immer mit einem Lächeln verabschiedet. Dass ich weiß, dass auch wir weiterführende Hilfe bekommen, wenn es uns selbst mal schlecht geht.

Verändert die Arbeit in der PSNV den Blick auf den Job?

Ja, ich nehme Bedürfnisse besser und anders wahr. Vor allem aber habe ich gelernt unnötigen Ballast abzuwerfen, mehr Lebenssinn und Hoffnung auf das Leben nach einem Schicksalsschlag zu haben.

Was sollte jeder unbedingt über die Malteser PSNV wissen?

Die 24h-Hotline der Malteser Einsatznachsorge. Die  Rufnumer 0221-98 22 828 sollten alle Kolleginnen und Kollegen kennen.

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